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Fitness „old school“

900 445 Francisco Javier Fiala

Nach wie vor finde ich innovative Sport und Fitness Konzepte sehr spannend und ich stelle mir immer wieder gerne die Frage, was es mit der „praktischen Umsetzung“ auf sich hat. Es ist schon eine Weile her, da las ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (6.10.2014) von einem neuen Trend in den USA mit dem Namen „Soul Cycle“, welches wieder einmal den dortigen Fitnessmarkt auf den Kopf stellte.

Die Amis sind ja mehr als bekannt dafür, nicht nur in Sachen Fitness sehr fortschrittlich zu sein, hin und wieder aber auch ein wenig „strange“, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Was hatte es mit diesem neuen Trend auf sich, welches „drüben“ den Leuten den Kopf verdreht? Vielleicht lag es an dem sehr plakativen und leidenschaftlichen Schreib-Stil der Autorin Claire Beermann, jedenfalls fesselte mich dieser Bericht so sehr, dass ich anfing zu überlegen, ob dieses Konzept auch hierzulande funktionieren könnte. Was genau steckt also nun hinter „Soul-Cycle“ und wäre es auf Deutschland übertragbar?

Globalisierung ist immer schuld

Üblicherweise werden Trends mittlerweile extrem schnell in die weite Welt transportiert, dem Internet und der Viel-Fliegerei sein Dank. Vorbei die Zeiten, in denen es Jahre dauerte, bis eine neue Mode-Erscheinung in andere Länder ankam. Es gab einmal eine Zeit da konnte man sich als Fitness-Betreiber erst einmal zurück lehnen, hatte man erst einmal ein neues Angebot oder Konzept erkannt und eingeführt. Es dauerte eben bis der erworbene Wettbewerbsvorteil von vermeintlichen Mitbewerbern multipliziert wurde. Doch dies ist schon lange Vergangenheit, zum Wohle des Konsumtenten muss man sagen.

Wohl kaum ein Fitnesscenter hat inzwischen ein einzigartiges Angebot in Hinblick auf Trainingsinhalte. Umso mehr hat es mich erstaunt, dass ich nun fast ein Jahr nach erscheinen dieses Artikels immer noch keine flächendeckende Kopie dieses wie ich meine sehr interessanten Konzeptes gefunden habe. Wie lange dauert es  denn heutzutage bis ein in anderen Ländern erfolgreiches Angebot im heimischen Markt angeboten wird. Von welchen Faktoren ist es denn abhängig, ob es dann auch tatsächlich den Weg zu uns findet? Wie ist die Reaktionsquote? Nur am Rande bemerkt habe ich heute in der Zeitung gelesen, dass die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks kein einziges Lokal in Italien betreibt. Unglaublich aber wahr ! Vielleicht hat der aufmerksame Leser hierfür eine Anwort parat ?

Damit es jedoch nicht zu abstrakt wird möchte ich diesen neuen Fitness-Hype, der vor allem in New York losgetreten wurde, etwas näher beschreiben. Vielleicht hat es sich mittlerweile ja etwas gelegt, dennoch klingt es sehr vielversprechend. Es wird sogar berichtet, dass Wohnungssuchende in Manhatten die Auswahl eines neuen Appartments davon abhängig machten, ob ein Studio mit diesem Angebot in seiner Nähe sei. Und als in dem Stadtteil Tribeca ein Studio von „Soul Cycle“ wegen Umbaus für einige Wochen geschlossen wurde, berichtete die New York Times von einer Massenpanik. So etwas habe ich hierzulande allerdings noch nicht erlebt. Dies hat aber wohl etwas mit der Kultur der Gesellschaft zu tun.

Fitness in Party-Atmosphäre

Bevor wir uns nüchtern den Fakten widmen hier für den Anfang etwas für die Seele (Zitat aus der FAZ vom 6.10.2014): “ Sieben Uhr, über dem East River geht die Sonne auf….längst munter ist an diesem Herbsmorgen die Filiale von „Soul Cycle“. So heisst die neue New-Yorker Fitness-Sensation. Zum Fahrradfahren mit Bewusstseinserweiterung haben sich 62 Frauen und Männer, meist zwischen 25 und 40 Jahre alt, in einem spärlich beleuchteten Raum versammelt. Dicht an dicht stehen die Ergometer, Kerzen verbreiten kultische Atmosphäre, aus den Lautsprechern dröhnen Elektrobässe…. . An den Wänden sind im Schummerlicht die gelb gedruckten Wörter „obsessed“, „celebration“, „addictet“, „community“ zu lesen. Ist das hier das Zentrum einer neuen Sekte ?“

Retro funktioniert auch in diesem Beispiel

So weit so gut. Es geht also um das altbekannte Cycling, auch als Spinning bekannt, wenn gleich, vorsicht !, dieser Begriff geschützt ist. Bislang deutet jedoch nichts in dem Bericht auf etwas wirklich Innovatives hin. Kein wirklich neues Trainingsgerät, keine durchgestylten, grosszügigen Trainingsbereiche mit Spa, Yoga und indonesischen Hölzern, keine Vernetzung und auf den ersten Blick auch kein High-Tech.

Eher mutet es schon very old school an und erinnert ein wenig an die romantische Trainingsatmosphäre in alten Rocky Filmen. Wie sehr habe ich diese Filme, ja dieses dabei vermittelte Lebensgefühl, geschätzt. Dies nur am Rande. Aber vielleicht ist es ja eben auch ein Teil einer genialen Idee, in Zeiten, in denen alles Retro und Vintage sein muss und gerade (noch) seine Hoch-Zeit erlebt.

Kein Spa und kein Yoga

Die eigentliche Kernkompetenz kommt jedoch erst, deshalb zitiere ich nochmals aus der FAZ: „45 Minuten Radeln in Nachtclub-Atmosphäre. Es geht nicht bloß ums Kalorienverbrennen, sondern um den Sport als gemeinschaftliches Happening, als Party.“

Ah. Jetzt wird es klar und verständlich. Das ist der Clou: Der Trainer und ja, der Mensch macht den Unterschied aus. Und beides zusammen, diese Retro-Vintage-Rocky-Atmosphäre kombiniert mit kultigen Animations-Hippstern (irgendwie auch Vintage), die neben einer fundierten Spinning-Ausbildung zusätzlich über eine charismatische Persönlichkeit verfügen, ergeben diese hochexplosive Mischung. So etwas gibt es im Niedrig-Lohn-Bereich ja eher selten. Da braucht es also kein High-Tech, keine noch so neuen Fitness-Apps oder sogenannte „Wearables“. Und keine Unsummen an Investitionen.

Professionelles Recruiting

Es braucht nur Personal-Entscheider, die sowohl fachlich in der Lage sind geeignete Talente zu rekrutieren, als auch über die notwendigen Antennen verfügen um die so gerne erwähnten Soft-Skills bei den vielen Bewerbern auch zu entdecken und anschließend zu fördern. Oder die selbstbewusst genug sind, diese Kernkompetenzen an professionelle Berater zu delegieren. Ich hatte vor vielen Jahren, in den Anfängen meiner Zeit als Fitness-Unternehmer immer wieder auch Anfänger als Kursleiter, die sowohl optisch als auch technisch den Anforderungen und Klischees bei weitem nicht gerecht wurden, geschweige denn wußten was ein Musikbogen ist.

Aber sie hatten eins: Spirit, Herzblut und Persönlichkeit. Sie waren authentisch. Das war sehr cool. Und siehe da: ihre Kurse waren picke-packe-voll. Kaum jemand beschwerte sich über Formfehler oder langweilige Choreografien. Denn: mit leidenschaftlichem, service-bewussten Personal lockt man auch in diesem Beispiel den faulsten Couch-Potato hinter jedem Kamin hervor. Wenn die Stimmung kocht und die Musik elektrisiert. Nur ist der Faktor Mensch eben kein perpetue mobile. Er muss gespeist und gefüttert werden. Nicht nur als Angestellter sondern auch als Mensch mit seinen persönlichen Beweggründen. Und dann zahlt er es drei mal zurück, wenn es reicht.

Was sonst noch ?

Abschließend lese ich in dem Bericht noch eine wichtige Information, welches das Konzept abrundet und in meinen Augen absolut zeitgemäß und erwähnenwert ist. Denn der Kunde bucht bei „Soul Cycle“ online nur den Kurs den er tatsächlich besuchen möchte. Der Beitrag wird abgebucht bei Anmeldung und Reservierung. Wie bei einer Kino-Karte. Keine Aufnahme- oder Verwaltungsgebühren, keine monatlichen Fix-Beiträge, keine Laufzeiten oder Fristen, keine langwierige Kündigung des Fitness-Vertrags. Das ist der Knüller.

Denn gewohnt sind wir doch etwas anderes: Wir können in Fitnessstudios in der Regel wählen zwischen Halbjahres-, Jahres- oder Zweijahresverträgen. Hinzu kommen Anmelde-, Service- oder Verwaltungsgebühren. Alles dies ist schon etwas starr, aber es stammt nun einmal aus einer anderen Zeit. Wir kauften früher ja auch komplette CD’s oder Fernsehzeitschriften oder hatten einen Anrufbeantworter zu hause. Nun jedoch, in Zeiten in denen Individualität, Flexibilität und Transparenz groß geschrieben werden, scheinen sich alte Gewohnheiten langsam zu ändern.

Streaming ist das neue Zauberwort

Siehe zum Beispiel Netflix oder Amazon Prime im Bereich von Filmen und Serien oder Spotify und Deezer im Bereich der Musik. Vorbei die Zeiten, in denen die Famile Montags um 20.15 vor der Glotze sitzen musste um die beliebte Folge oder den erst-ausgestrahlten Blockbuster nicht zu verpassen. Natürlich, Videorekorder gibt es schon sehr lange, aber auch daran musste man denken, nämlich zu programmieren und dies war ein zusätzlicher Organisations-Aufwand. Was macht der junge Konsument heute? Er streamt was das Zeug hält. Er nutzt und konsumiert den Film, die Serie oder die neue CD nämlich genau dann, wann er es möchte und wie er es möchte. Flexibel und individuell.

Fitness-Streaming

Ich nenne es Fitness-Streaming, was sich wohl mittelfristig auch in der Fitness- Branche durchsetzen wird. Es ist ein wirklicher Mehrwert für den Kunden und im Grunde absolut zeitgemäß. Dabei spielt es im ersten Schritt keine Rolle um welche Inhalte es sich handelt. Ob Cycling, Yoga, Krafttraining oder was auch immer. Hauptsache der Kunden bezahlt genau das was er nutzt und nur wenn er es nutzt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Inzwischen haben auch in Deutschland größere Fitness-Ketten Pilotprojekte am Laufen um diese zeitgemäßen Konzepte zu testen.

Fazit

Was können wir also mitnehmen, von dem Hype, der in New York die Runde macht? Erstens: es braucht nicht viel an Investition in eine Geschäftsausstattung um ein erfolgreiches Konzept zu lancieren. Vorausgesetzt es ist leidenschaftlich und trifft den Zeitgeist. Zweitens: die richtige Auswahl an Personal ist auch hier „kriegsentscheidend“. Das sollte der Betreiber erkennen und bereit sein einen vernüftigen Teil der Investition in diese Ressource zu stecken und dafür lieber etwas weniger für Hardware auszugeben.

Und last but not least: Der Kunde mag es 2015 (und wahrscheinlich noch länger) flexibel und individuell. Auch im Preis. Wenn die gebotene Qualität denn stimmt braucht es auch keine langfristigen Verträge. Das Mitglied wird es danken. Punkt.

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