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Fitnessmarkt Digital

150 150 Francisco Javier Fiala

Die Digitalisierung in unserer Gesellschaft, auch digitale Revolution genannt, hat uns komplett im Griff. Aber was hat es in einem Fitnessstudio verloren und wie macht es sich bemerkbar?

Wie sehr dieses Zeitalter in alltägliche Gewohnheiten bereits Einzug gehalten hat, nahezu schleichend oder eben auch viral und vor allem wohin das Ganze führen könnte wurde mir sehr deutlich gemacht, als ich das Buch von Christoph Keese mit dem Titel „Silicon Valley“ las. Darin beschreibt er nicht nur sehr plastisch und eindrucksvoll dieses merkwürdige kleine Tal in Kalifornien mit seinen geografischen Besonderheiten, sondern insbesondere mit welchen Mitteln, sprich Investitionsvolumen, aber auch dynamischen Gedankengut die Digitalisierung rapide von diesem kleine Fleckchen Erde aus voranschreitet.

Opfer der Digitalen Revolution

Diese neueste „Revolution“ hat schon einige Opfer (zum Beispiel Kodak, Polaroid) hinter sich gebracht und wenn man den Zukunftsvisionenen dieses Buches glauben schenken mag, dann werden nicht nur weitere global agierende Unternehmen daran glauben, sondern unsere gesamte Lebensform wird auf den Kopf gestellt werden.

Nach seiner These könnte zum Beispiel die jetzige Automobilindustrie in wenigen Jahren zu einem Nischengeschäft degradiert werden und somit viele Unternehmen dieser Branche wohl in akute Lebensgefahr bringen. Wie das? Wir haben schon in den Medien diese merkwürdigen selbst-fahrenden Google-Überaschungseier gesehen, welches als Auto der Zukunft angepriesen wird. Apple möchte nach neuesten Informationen ebenfalls bis 2020 ein Gefährt auf den Markt bringen. Wow. Und ich dachte, die können nur Computer und Telefone produzieren. Dabei geht es primär nicht nur um einen fortschrittlicheren Antrieb wie Benzin, Kerosin oder Strom.

Es geht um die Vernetzung

Das Fahrzeug der Zukunft wird uns laut Keese nach kommerziellen Kriterien navigieren. Es wird uns darauf hinweisen, welche Einkäufe in unserem Smartphone eingespeichert und noch zu erledigen sind. Demzufolge erhalten wir Vorschläge auf unser Navi für Läden in der Nähe, sortiert nach Lage des Geschäftes und Preis. Auf Wunsch (zumindest das werden wir vielleicht noch entscheiden dürfen) navigiert uns dann das Auto je nach Verkehrslage auf dem kürzesten Weg zu unserem gewünschten Ziel und dass absolut emissionsfrei.

Obendrauf erhalten wir auch noch eine Nachricht auf unserem Bildschirm beispielsweise von Amazon, welches am Kurs des Autos erkennt wohin wir uns gerade zubewegen, welche Angebote es zur Zeit in seinem virtuellen Laden für uns bereit hält. So gesehen könnte es tatsächlich schwierig werden konventionelle Autos zu verkaufen, die sich heute noch primär definieren nach Design, Fahrspass und Hubraum. Nach einer Studie von KPMG können sich Konsumenten tatsächlich eher vorstellen, dass Google, Amazon oder Ebay solche Autos bauen als Mercedes, Volkswagen oder Porsche. Ich, der ganz old school noch die schönen Linen z.B. eines alten Alfa Spiders mit seinem schönen Holzlenkrad durchaus noch zu würdigen weiss sage dazu „Gute Nacht“.

Ein anderes Beispiel ist der Stahlhandel und die Digitalisierung. Wie passt das zusammen? Ich bin bei Leibe kein Experte in Sachen Technik oder Stahl. Aber als guter Betriebswirt ist mir das Thema „Angebot und Nachfrage“ durchaus bekannt. Stahlwerke müssen seit Generationen unglaubliche Lagerbestände bereithalten um einen möglichen Interressenten direkt bedienen zu können. Unglaubliche Werte an Umlaufvermögen (Milliarden) werden somit ständig bereit gehalten. Soweit so gut. Und was hat das jetzt mit Digitalisierung zu tun ?

Das Schlüsselwort ist „Plattformen“

Keese beschreibt diese als die „Hotspots“ der Digitaliserung. Denn diese virtuellen Plattformen bringen eben  Angebot und eine tatsächliche Nachfrage zusammen und gleicht die Daten beider Marktseiten ab. Lagerbestände können dadurch drastisch reduziert werden, da Bedürfnisse von Käufern optimiert erfasst werden können. Millionen und Millionen an Euro Umlaufvermögen können somit reduziert werden. Das ist schon Realität und wohl schon eine Revolution.

Dennoch habe ich lange überlegt, wie genau Digitalisierung auch den Fitnessmarkt betreffen könnte und vor allem in welcher Form. Das Thema ist ja nun mal nicht ganz neu. Jahre lang, was sage ich, Jahrzehnte lang funktionierte die Fitnesswirtschaft nach etwa dem gleichen Schema: die wirklichen Neurungen waren hauptsächlich immer besser entwickelte Fitness Maschinen, die immer ergonomischer, isolierter und dadurch effizienter die einzelnen Muskelpartien trainieren und stärken sollten. Nebenbei gesagt viele Jahre musste die Fitnessbranche überhaupt um ihr Image kämpfen.

Globale Unternehmen zum Beispiel in der Bekleidungsindustrie machten lange einen großen Bogen um diesen Markt. Fitnessklamotten von Adidas, Nike oder Puma? Viele Jahre Fehlanzeige. Dafür gab es Uncle Sam. Denn es wurde lange Zeit als Nischenprodukt belächelt und sogenannte Muckibuden galten als „halbseiden“, teilweise sogar verrucht mit Rotlichtflair. Ab einem bestimmten (Bildungs-) Niveau ging man laufen (damals hieß das noch so), spielte Tennis oder Squash.

Erst durch die Entwicklung von medizinischen Fitness-Geräten, die zunächst in der Rehabilitation von Sportverletzungen eingesetzt wurden, wurden Studios auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bis sogar Mediziner schließlich den Kraftsport salonfähig machten. Klagte man beim Arzt über „Rücken“ – hörte man ab einem gewissen Zeitpunkt immer öfter: „Gehen sie in ein Fitnessstudio“. Wissenschaftliche Studien belegten dann auch die neuen Thesen. Soweit so gut.

Sogar aus der Raumfahrt bediente man sich um neue Trainingsangebote zu generieren. Man denke nur an Vibrations-Trainings-Geräte. Kurz gefasst wurde so Fitness massentauglich. Zwischendurch kamen auch noch die Gruppenkurse. Der erste Hype für dieses Angebot wurde bereits in den 80er Jahren des letzen Jahrhunderts ( ! ) von Jane Fonda losgetreten mit Aerobics. Anschließend kamen immer neuere Kursinhalte dazu: Step, Bodystyling, Cycling um nur einige zu nennen. Und immer gab es einen kleinen Hype kostenlos dazu.

Zuletzt Zumba und Zimba

Inzwischen heißen die neusten Trends „Funktional Training“, „Cross Training“ oder EMS-Training. Lange Zeit waren dies die wirklichen „Highlights“ der Branche und man war gut beraten, wenn man einen kurzen Draht nach Übersee hatte um „den letzten Schrei“ im eigenen Land möglichst als einer der ersten anbieten zu können.

Wobei man als Betreiber zum Teil schon hellseherische Fähigkeiten an den Tag legen musste um zu unterscheiden was lediglich eine Modeerscheinung war und was sich tatsächlich etablieren würde. Denn die Investitonen in die Hardware waren und sind nach wie vor beachtlich. Sechsstellige Summen sind da die Norm. Es ging also primär darum immer wieder neue Trainingsinhalte zu kreieren um den „inneren Schweinehund“ des Kunden zu überwinden und somit für entpsrechenden Umsatz zu sorgen. Ziemlich überschaubar und fast schon planbar.

Und dann fing es irgendwann eher schleichend auch in der Fitnessbranche an: Auf den ersten Cardiogeräten ließ sich der Puls kontrollieren, Kraftgeräte funktionierten auf einmal mit einem Stick, der nicht nur automatisch die Sitzposition und das korrekte Gewicht einstellte, sondern auch Auswertungen am Computer vornahm und das Training bzw. den Widerstand je nach Trainingsstand automatisch veränderte. Irgendwann gab es semi-intelligente Mitgliedsausweise, die das Dreh-Kreuz am Eingang freischalteten und als Geldkarte zu gebrauchen waren um im Studio weiter zu konsumieren.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte die Digitalisierung in den Studios einzug gehalten. Inzwischen spricht man längst von der „Vernetzung des Fitnessclubs“. Sonderwünsche von Mitgliedern bei ihrem Check-in welchen speziellen Spint sie bevorzugen und auch erhalten sind mittlerweile Realität; ebenso wie Angebote von Gruppenevents die vor einem riesigen Bildschirm mit einem virtuellen Trainer durchgeführt werden.

Auch das Thema der Zugangskontrolle zu den einzelnen Trainingsbereichen kann via Chip freigeschaltet werden und somit dem individuellen Bedarf des Mitgliedes gerecht werden. Er zahlt nur was er tatsächlich nutzen möchte und die notwendige Software kontrolliert dies. Der wohl wichtigste Bereich für den Kunden ist jedoch mit Sicherheit die weitere voranschreitende Vernetzung mit der Trainingsfläche. Hinzu kommen weitere Angebote von Online-Studios sowie die rasante Entwicklung von Fitness-Apps durch die weitere Trainingsmöglichkeiten über das Studio hinaus entstehen, inklusive komplette Kontrolle.

Noch ein Schlüsselwort:  „Wearables“

Denn diese Neuerungen können weit mehr als nur den Herzschlag messen. Der Mensch wird zunehmend gläsern und für verschiedene Institutionen (Krankenkassen, Komsumindustrie) erhalten die gewonnenen Informationen eine zunehmende sehr kostbare Bedeutung aber auch gleichzeitig der Datenschutz. Ein Ende dieser Entwicklung zu beschreiben scheint zum jetztigen Zeitpunkt unseriös. Jedenfalls sind mit den sogenannten „Wearables“  inzwischen Weltkonzerne wie Nike, Adidas, Under Armour in den Fitnessmarkt eingestiegen. Und auch meine Wenigkeit hat die Digitalisierung des Marktes endlich erkannt und somit den wohl größten Quantensprung in der Entwicklung von Fitnessstudios.

Und dennoch, der Faktor Mensch wird auch hier, insbesondere bei den Premiumstudios, die wichtigste Komponente bleiben um den inneren Schweinehund auf Dauer zu überwinden. Wer schon einmal einen abgedunkelten Spinningraum mit 100 Spinning-Bikes erlebt hat, beleuchtet nur mit kultigem Kerzenschein, in denen zu den tiefen Bässen der Musik die Teilnehmer rythmisch in die Pedalen treten, animiert von einem charismatischen Kursleiter, weiss, wo Digitalisierung seine Grenzen aufgezeigt bekommt.

Wohl dem, der spannende Mitarbeiter hat und in eine wertschätzende Unternehmenskultur investiert.

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Francisco Javier Fiala
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Francisco Javier Fiala

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